10.10.: Argumentieren gegen Rechts

Aufstehen gegen Rassismus: Effektiv auf rechte Parolen antworten – Verschwörungserzählungen in die Schranken weisen!

Samstag, 10. Oktober 2020, 10:00 – 17:00 Uhr

Schon vor der Corona-Pandemie sind wir rechten Parolen und sogenannter gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit an vielen Orten begegnet: an der Bushaltestelle, in der Schlange an der Ladenkasse, im Wartebereich von Ärzten.

In den außergewöhnlichen Monaten der Pandemie kommen nun verstärkt Verschwörungserzählungen hinzu, auch in unserem nächsten Umfeld und von Leuten, wo wir eher nicht damit gerechnet haben. Und die Situation wird immer unübersichtlicher: Bekannte und Freund*innen gehen vielleicht sogar gemeinsam mit Verschwörungsgläubigen, Rechten und Reichsbürgern auf die Straße um ihre Unzufriedenheit über politische Maßnahmen rund um die Corona-Pandemie zu äußern. Diese Plattformen nutzen Rechte dankbar für ihren Populismus und befeuern so die gesellschaftliche Spaltung.

Wie gehen wir mit den Leuten – auch aus unserem nächsten Umfeld – um, die sich den sogenannten Querdenkern angeschlossen haben? Deren Allianzen antidemokratisch sind während sie sich für Demokratie einsetzen? Wie können Sorgen geäußert werden und ab wann wird Kritik zu einem Verschwörungsmythos?

Sowohl Verschwörungserzählungen und Zweifel an Wissenschaftlichkeit als auch rechte Parolen werden zunehmend salonfähiger. Widerspruch erfordert häufig Schlagfertigkeit. Mit Übungen aus klassischen Argumentationstrainings gegen rechte Parolen erarbeiten wir uns mehr Sicherheit für couragiertes Handeln im Umgang mit Sprüchen und Behauptungen.

Im Erfahrungsaustausch erörtern wir, welche Gelegenheiten für Gespräch wir erkennen und nutzen können – und wo es notwendig wird, klare Kante gegenüber menschenverachtenden, antisemitischen und antidemokratischen Positionen zu zeigen.

Unsere Workshops sind inspiriert von der Stammtischkämpfer*innenausbildung des Netzwerks „Aufstehen gegen Rassismus“. Wir haben sie um unsere eigenen Erfahrungen ergänzt und inhaltlich erweitert.

Samstag, 10. Oktober 2020,
10:00 – 17:00 Uhr (inkl. Mittagspause)

Ort: wird nach Anmeldung bekannt gegeben!

Trainer*innen: Joel Campe und Katrin Karmann

Kostenbeitrag: Für die Teilnahme bitten wir um einen Kostenbeitrag (am Geld soll es jedoch nicht scheitern):

  • Menschen mit wenig Geld: bis zu 15 Euro
  • Kostendeckender Preis: 25 Euro
  • Soli-Preis: 40 Euro

Wichtig: Bitte selbst für eine Verpflegung in der Mittagspause sorgen! Und bitte einen Mund-Nase-Schutz mitbringen, wir werden ihn bei manchen Übungen brauchen.

Wir bitten um Anmeldung bis 02.10.2020 unter aufstehengegenrassismus@kurvewustrow.org

United against Racism – Solidarität verteidigen!

Rassismus tötet: we will fight!
5 Jahre March of hope: We stay united!

Aktionsbündnis Solidarisches Salwedel, Solidarische Provinz Wendland-Altmark, eXchange e.V. rufen gemeinsam mit We‘ll Come United zu Antirassistischen Aktionstagen im Wendland und Salzwedel auf.

Im Rahmen der von We‘ll Come United bundesweit stattfindenden dezentralen Antirassismus-Tage finden in Salzwedel am 3. bis 4. September 2020 Informationsveranstaltungen im eXchange und am 5. September eine solidarische Demonstration von der Lüneburger Straße zum Kulturhaus-Vorplatz statt. Sowohl am Start- als auch am Endpunkt soll es am Samstag Redebeiträge von Geflüchteten, Unterstützenden und Organisationen sowie ein Musikprogramm geben.


Das letzte Jahr war geprägt von weiteren Gewalteskalation: Attentate in Kassel, Halle und Hanau, NSU 2.0, weiteres Hochfahren des tödlichen EU-Grenzregimes durch Kriminalisierung von Seenotrettung und Rechtsbrüche wie Schüsse auf Asylantragstellende an den EU-Grenzen. Aber auch: Nicht für alle Menschen gleichermaßen geltende Hygienekonzepte, bei denen Menschen in Lagern einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt werden. Was ist los in Europa, in Deutschland, in Sachsen-Anhalt, in Salzwedel?

Im Sommer 2015 erschien es möglich, dass die Abschottung an den Grenzen – nicht nur auf der Balkanroute beendet sein könnte. Es war eine Zeit des Willkommens und der Solidarisierung, für die wir weiter streiten und unsere Kämpfe für eine solidarische Gesellschaft an diesen Tagen sichtbar machen.

Das europäische Grenzregime wird immer stärker von Abschottung, unfassbarer Gewalt und tödlichen Maßnahmen geprägt, was sich mit Corona weiter verschärft. Die Lager in Griechenland und besonders auf den griechischen Inseln sind überfüllt. Tausende Menschen müssen auf engstem Raum unter schlechtesten hygienischen Bedingungen leben. Gleichzeitig zögern Deutschland und die anderen EU-Staaten weitere Geflüchtete aufzunehmen. Obwohl sich bereits viele Städte, Gemeinden und Bundesländern zur Aufnahme weiterer Menschen aus den griechischen Lagern bereit erklärt haben, verweigert die Bundesregierung bisher ihre Zustimmung.

In Salzwedel müssen Geflüchtete trotz Corona in Sammelunterkünften leben. Es fehlen Gewaltschutzkonzepte und für einige eine tatsächliche Wahlfreiheit der Unterkunft in einer eigenen Wohnung. Schutz vor einer Pandemie sieht anders aus!

Rassismus und rassistische Morde
Wie sich nach der Ermordung von George Floyd durch einen Polizeibeamten in Minneapolis und auch der Nichtaufklärung des Mordes an Oury Jalloh in einer Dessauer Polizeizelle zeigt, ist institutioneller Rassismus ein System, das unseren Alltag prägt: In Ämtern und Behörden, bei der Polizei, bei der Wohnungssuche, in der Schule und auf der Arbeit. Rassismus verletzt und tötet.

# leavenoonebehind
Wir fordern die Auflösung aller Lager und das Recht auf selbstbestimmte Unterbringung und ein selbstbestimmtes Leben aller Menschen!

#keinmenschistillegal
Wir fordern ein Bleiberecht und Papiere für alle. Nur so ist ein selbstbestimmtes Leben und Zusammenleben überhaupt möglich. Gesetze müssen menschenwürdiges Leben sicher stellen und nicht noch mehr Ausgrenzung und Leid legitimieren. Wir fordern die Abschaffung des Dublin-Abschiebesystems!

Unsere Forderungen werden lauter: Für ein Bleiberecht und Papiere für alle, für Bewegungsfreiheit und offene Grenzen, für gleiche Rechte für Alle.

* Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien oder Organisationen angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistisch, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende bzw. reaktionäre Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Dies gilt auch für Personen, die die geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften nicht einhalten und/oder diesbezüglichen Aufforderungen der Veranstaltenden nicht folgen.

1. September: Antikriegstag

Das Bündnis gegen Rechts Wendland / Altmark beteiligt sich an der Veranstaltung zum Antikriegstag am 1. September 2020 um 18:00 Uhr in Dannenberg.

BgR-Veranstaltungsreihe Sommer 2020

Gemeinsam mit den Bündnismitglied KURVE Wustrow und dem Nachbarbündnis “Aktionsbündnis Solidarisches Salzwedel” führen wir zwischen dem 19. Juni und dem 10. Juli drei Online-Veranstaltungen durch, die sich mit Verschwörungstheorien, der Neuen Rechten und Handlungsoptionen beschäftigen. Hier gibt es alle Informationen!

Termine und Zeiten:

  • Freitag, 19.06.2020, 19:30 Uhr – Link zum Video der Veranstaltung: “Fake Facts
  • Mittwoch, 24.06.2020, 19:30 Uhr – Link zum Video der Veranstaltung: “Neue Rechte
  • Freitag, 10.07.2020, 19:30 Uhr – Link zum Video der Veranstaltung: “Wirksame Bündnisarbeit

Online-Teilnahme:

Alle Veranstaltungen werden online auf Vimeo gestreamt (und sind dort später als Video zu finden). Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Der Link zum Vimeo-Kanal ist hier: Schöner leben ohne Verschwörungstheorien (hier wird es auch möglich sein, während der Sendung über das Chat-Fenster Fragen zu stellen).

Live-Teilnahme:

Die Teilnahme im Garten der KURVE Wustrow wird durch die Auflagen zum Infektionsschutz nur für eine begrenzte Anzahl von Personen möglich sein. Alle Teilnehmenden müssen sich am Einlass mit ihren Kontaktdaten in eine Anwesenheitsliste eintragen. Wer dabei sein möchte, komme bitte frühzeitig: wenn alle Plätze belegt sind, wird der Einlass geschlossen.

Infos zu den Veranstaltungen:

Freitag, 19. Juni 19:30 Uhr: Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen
Katharina Nocun, Mitautorin des gleichnamigen Buches, beleuchtet die psychologischen Hintergründe von Verschwörungserzählungen, von Realitätsverlust und gefährlichem Radikalisierungspotential, sowie die Rolle der Neuen Medien darin. Sie gibt Anregungen, wie wir uns vor verdrehten Fakten und Meinungsmache schützen und Verschwörungsgläubigen begegnen können.

Mittwoch, 24. Juni 19:30 Uhr – Wie mächtig ist die Neue Rechte und was können wir tun?
Andreas Speit wird darüber berichten, inwieweit die Neue Rechte an den gegenwärtigen Diskurs anknüpft und ihn für sich nutzt. Er zeigt auf, wie und welche Allianzen entstehen und warum Verschwörungsmythen in Deutschland eine lange Geschichte haben.

Freitag, 10. Juli 19:30 Uhr – Wirksame Bündnisarbeit: Initiativen gegen Rechts stellen sich vor
In dieser Podiumsdiskussion wird es um Handlungsstrategien und erfolgreiche Bündnisarbeit gehen. Eingeladen sind Vertreter*innen verschiedener Initiativen gegen Rechts aus den benachbarten Regionen. Der Austausch über Beispiele erfolgreicher Organisierung und Aktionen soll Mut machen selbst aktiv zu werden, um eine solidarische Zukunft greifbar zu machen.

Mehr Infos zu verschiedenen regionalen Bündnissen siehe unter den Links.

Spenden:

Die Veranstaltungsreihe wird finanziell unterstützt durch das Niedersächsische Landesdemokratiezentrum mit Mitteln aus dem Programm „Demokratie leben!“.

Da hieraus nicht die gesamten Kosten gedeckt werden können, bitten wir um Spenden, denn sowohl die Arbeit des Bündnis gegen Rechts Wendland / Altmark als auch die Bewegungsarbeit der KURVE Wustrow leben davon.

Spenden sind über das Onlineformular möglich oder bei Teilnahme an der Liveveranstaltung über die Spendendose.

Warum und wozu laden wir ein?

Solidarität und Aufklärung statt Verschwörungsideologien

Jeden Samstag kommen Menschen zum Demonstrieren gegen die Corona-Beschränkungen zusammen. Erstmals finden die Demonstrationen am 28. März mit Aktivist*innen von “Nicht ohne uns” statt. Skandiert wird “Wir sind das Volk”. Viele bringen ein Grundgesetz mit und verweisen auf die Grundrechte. Inzwischen kommen regelmäßig Personen zu diesen Veranstaltungen, die unhaltbare Fake Facts oder unbewiesene Halbwahrheiten verbreiten, z.B. dass ein Impfzwang durchgesetzt würde, 5G lebensgefährlich sei, Bill Gates hinter Corona stecke oder die Behauptungen von QAnon. Längst sind die Proteste von organisierten Rechten gekapert, ohne dass sich die Protestierenden von ihnen distanzieren. Neben Mitgliedern verschiedener rechtsextremer Parteien wurden sog. Reichsbürger*innen und völkische Familien gesehen.

Sie inszenieren sich als Verfechter*innen von Grundrechten und Freiheit. Sie behaupten, das Grundgesetz sei in Deutschland außer Kraft gesetzt und fantasieren die Entstehung einer Diktatur herbei, gegen die ihr Widerstand rechtmäßig sei.

Was macht Verschwörungstheorien gefährlich?

Verschwörungstheorien schaffen ein Klima, das Selbstverantwortung, eigenständiges Denken und Solidarität schwer macht.

Sie geben einfache Erklärungen für schwer überschaubare komplexe Sachverhalte. Sie erkennen Muster und einen Plan, wo in der Realität Zufall, Inkonsistenz und Widersprüchliches zusammenkommen. Das Muster ist immer gleich: Es gäbe geheime Machtstrukturen, die die Dinge lenken und die einzelne Person zum unwissenden und ohnmächtigen Opfer machen. Denn diejenigen, die eine Verschwörungstheorie vertreten, stellen sich scheinbar mächtig den angeblichen Machtstrukturen entgegen und treten damit als Orientierung gebende Instanz auf.

Eigene fundierte Recherche, offene konträre Diskussion, Selbstverantwortung auf solidarischer Grundlage sind dadurch überflüssig und würden nur die einfache Lösung in Frage stellen.

Wer ist anfällig für Verschwörungstheorien?

Komplexe und widersprüchliche Aspekte eines Sachverhaltes nebeneinander aufzustellen und als solche stehen zu lassen sind mühevoll und anstrengend. Häufig werden Verunsicherungen und Ängste in uns angestoßen. Der Wunsch nach Kontrolle und Verantwortlichen entsteht, damit schlechte Gefühle und Überforderung kanalisiert werden können.

Viele Menschen haben in dieser Corona-Krise entweder große Angst, sich anzustecken, oder für die Ansteckung anderer – womöglich Angehörige einer Risikogruppe – verantwortlich zu werden. Behauptungen, das Covid-19-Virus sei keinesfalls so gefährlich, wie vom RKI und der Politik vertreten, bieten einfache Möglichkeiten diese Ängste zu reduzieren. Auch für die Befürchtung, im Kontaktverbot zu vereinsamen, bietet diese einfache Abwiegelung mit gleichzeitigem Ausmachen von Verantwortlichen eine schnelle Beruhigung: Ich brauche das alles nicht ernst nehmen.

Dass von Verschwörungstheoretikern gleichzeitig postuliert wird, Gegenrede und Kritik würden systematisch unterdrückt – aus heimlichen Machtinteressen von sogenannten Eliten und einem „Leitjournalismus“, öffnet dabei Tür und Tor für Verschwörungsmythen und das Ausmachen von Sündenböcken.

Schon seit Jahrhunderten werden Jüd*innen für angebliche Brunnenvergiftungen, Kindesmorde und mittelalterliche Seuchen verantwortlich gemacht. Machen die einen Corona-Leugner*innen heute Bill Gates oder Gorges Soros für die Pandemie verantwortlich, so relativieren andere den Holocaust, wenn sie sich mit gelbem Stern auf der Brust als angeblich verfolgte “Impfgegner*innen” inszenieren. Diese antisemitisch konnotierten Verschwörungsmythen bieten viele Anknüpfungspunkte für extrem Rechte.

Verschwörungsideologien sind gefährlich!

Verschwörungsmythen sind wie extrem rechte Ideologien gesellschaftlich verankert und kein Problem von vermeintlich „kranken“ Menschen oder politischen Rändern.

Historisch agierte der Nationalsozialismus mit genau solchen Mythen, um die Zustimmung in der Bevölkerung auszubauen. Nur eine gesellschaftliche Auseinandersetzung und Aufklärung kann diese stoppen. Was wir brauchen ist ein gemeinsames Einstehen für eine solidarische Verteilung von Krisenlasten und einem klaren Nein zu menschenver-achtenden, ausgrenzenden Ideologien.

Demonstrationen, auf denen Verschwörungsmythen und (extrem) rechte Ideologien und Personen Bestandteil des Protestes sind, verbreiten die gesellschaftliche Akzeptanz für Antisemitismus und Rassismus.

Außerdem werden damit Taten im Sinne dieser menschenverachtenden Welterklärungen gerechtfertigt. So waren Verschwörungswahn, rassistische und antisemitische Ideologie Antrieb und Ausgangspunkt der rechtsterroristischen Täter in Halle und Hanau.

Verschwörungsideologien sind keine legitimen politischen Erklärungsmuster, sondern höchst gefährlich. Wir rufen daher dazu auf, sich von diesen und anderen rechten Ideologien zu distanzieren und ihnen zu widersprechen.

Unsere Veranstaltungsreihe wird sich genau um diese Themen drehen. Wir freuen uns auf viele Zuhörer*innen.

Hausrecht:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige reaktionäre Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Dies gilt auch für Personen, die die geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften nicht einhalten und/oder diesbezüglichen Aufforderungen der Veranstaltenden nicht folgen.

Für den Livestream bedeutet dies, dass der Chat moderiert wird und wir uns vorbehalten, Beiträge zu löschen, die Hassrede beinhalten oder menschenfeindlich sind.

Aufruf zu einen öffentlichen Gedenkort in Lüneburg

Am Abend des 7. April 2020 wurde der 15-jährige Arkan Hussein Khalaf in Celle von einem 29-jährigen Deutschen ohne Vorwarnung angegriffen und mit einem Messer schwer verletzt. Arkan erliegt kurz darauf im Krankenhaus seinen schweren Verletzungen. Direkt nach diesem Mord hieß
es schon, dass der Täter bei seiner Festnahme am Tatort „verwirrt“ gewesen sei und es „keinerlei Anhaltspunkte für eine ausländerfeindliche oder politisch motivierte Tat“, gäbe.

Dem „Islamischen Staat“ entkommen - hier ermordet

Arkan und seine Familie überlebten 2014 den Völkermord des
selbsternannten „Islamischen Staates“ (IS) im Sengal(Nordirak). Der IS überfiel im August 2014 die Sengal Region, ermordete über 5000 Jungen und Männer, entführte mehr als 7000 Frauen und Kinder und versklavte
zahlreiche der entführten Frauen und Mädchen. Bis heute werden tausende Menschen vermisst. Insgesamt wurden mehr als 400.000 Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. So auch Arkan und seine Familie. Über die Türkei und Griechenland können sie nach Deutschland fliehen und finden 2015
Zuflucht in Celle. In der niedersächsischen Stadt leben weitere Eziden, die vor dem Völkermord fliehen konnten.

Das Land der Einzeltäter

Anderthalb Monate nachdem ein Rassist am 19. Februar 2020 in Hanau 10 Menschen ermordete, stirbt ein 15-jähriger Geflüchteter als er mit seinem Fahrrad Abends durch die Stadt fährt. Der 29-jährige Täter, Daniel S., pflegte Online-Kontakte zu Neo-Nazis, verkehrte auf Seiten
sog. „Reichsbürger“ und beschäftigte sich mit rassistischen und antisemitischen Verschwörungstheorien. Dennoch stand für die Polizei und Staatsanwaltschaft sofort fest: Es gäbe keinen rassistischen Hintergrund.
Das Schema nach dem die Taten und Täter*innen, nach einem rassistischen Mord, bewertet wird bleibt das gleiche: verwirrt, physisch krank, kein politischer Hintergrund, Einzeltäter. Rassismus wird als Tatmotiv allzu oft gar nicht nicht erst in Betracht gezogen. Stattdessen wird die
Motivation auf eine vermeintliche psychische Auffälligkeiten des Täters geschoben. Doch Verschwörungsideologien sind nicht klinisch und wer im
Namen menschenverachtender Ideologeme handelt ist kein Einzeltäter!
Das wollen wir so nicht hinnehmen! Der psychische Zustand von Täter*innen ist nicht das Gleiche wie ihre Motive und die Polizei und Staatsanwaltschaften haben eine viel zu lange Geschichte von Vertuschungen, Falschverdächtigungen, Lügen und der Umkehr von Täter*in und Opfer.

Das Problem heißt Rassismus und ist tödlich!

Weder Daniel S. noch der Attentäter von Hanau handelten alleine. Sie handelten aus einem rassistischen gesellschaftlichen Klima heraus in welchem Geflüchtete und Migrant*innen das Recht auf (ein unversehrtes) Leben abgesprochen wird. Ein Klima welches von Parteien, allen voran der AFD, Medien wie der BILD-Zeitung und alltäglicher Hetze geschürt wird und den Nährboden für die Taten von Hanau und Celle bildet. Aus Worten werden Taten.

Es gilt jetzt, den rassistischen Hetzern auf der Straße, dem rechten Mob im Internet und allen, die die rassistische Gewalt in Deutschland verharmlosen, entgegen zu treten. Es gilt den Opfern antisemitischer und rassistischer Gewalt und ihren Angehörigen zuzuhören und sich parteilich an ihre Seite zu stellen. Daher ist es umso wichtiger, dass wir unsere Empörung sichtbar machen und unsere Trauer und Wut in die Öffentlichkeit tragen.
Gerechtigkeit für Arkan
Kein Vergeben, kein Vergessen

Rassistische Strukturen erkennen, Rassismus benennen und bekämpfen gehört zur Notwendigkeit in dieser Gesellschaft. Gerade in Zeiten der Krise erwarten Millionen Migrant*innen und Geflüchtete die gleiche Solidarität gegen Rassismus sowie ein Virus. Die Rassismus-Pandemie nimmt genauso Leben von uns wie eine Virus-Pandemie. Es ist gefährlich,
heimtückisch, hinterhältig und feige.

Traurig und wütend fühlen wir heute mit den Angehörigen des Ermordeten und stehen in diesen schweren Tagen an eurer Seite. In der Erinnerung, in eurem Schmerz sind wir vereint. Wir haben einen Bruder, einen Sohn, ein Kind verloren: Arkan Hussein Khalaf.

Er starb nicht allein, es sind hier schon viele, ganz viele zu Opfern von Rassismus gemacht worden. Diese Menschen wurden nicht nur einzeln von Rassisten und Nazis ermordet, sondern auch vom strukturellen Rassismus in dieser gesamten Gesellschaft, die diese Menschen auf dem Gewissen hat, denn sie lässt nach wie vor Rassismus geschehen.

Rassistische Motive müssen klar benannt werden. Wir sind es Arkan schuldig, seinen Namen und sein Leben nicht zu vergessen, ihn im Bewusstsein zu erhalten.

Am 7. April 2020 wurde Arkan Hussein Khalaf in Celle ermordet. Wir wollen hier in Lüneburg einen Ort des Gedenkens schaffen. Um öffentlich auf den Mord aufmerksam zu machen und um zu erinnern und anzuklagen.

Wir rufen euch dazu auf, vom 14. bis 21. April 2020 am Mahnmal für die Opfer der Faschismus an der Lindenstraße euer Gedenken, eure Wut und Trauer, euer Erinnern, eure Anteilnahme sichtbar zu machen. Ihr könnt dort z.B. Blumen niederlegen, Kerzen entzünden, Texte, Gedichte oder Briefe an die Familie verlesen und aufhängen.
Was wir dort aber nicht möchten, sind größere und länger andauernde Menschenansammlungen. Angesichts der aktuellen Situation und aus Solidarität und für die Gesundheit aller haltet dort bitte Abstand!

Bitte dokumentiert eure Beiträge und lasst sie uns zukommen, damit wir sie sammeln und veröffentlichen können. Vielen Dank.
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