BgR-Veranstaltungsreihe Sommer 2020

Gemeinsam mit den Bündnismitglied KURVE Wustrow und dem Nachbarbündnis “Aktionsbündnis Solidarisches Salzwedel” führen wir zwischen dem 19. Juni und dem 10. Juli drei Online-Veranstaltungen durch, die sich mit Verschwörungstheorien, der Neuen Rechten und Handlungsoptionen beschäftigen. Hier gibt es alle Informationen!

Termine und Zeiten:

  • Freitag, 19.06.2020, 19:30 Uhr – Link zum Video der Veranstaltung: “Fake Facts
  • Mittwoch, 24.06.2020, 19:30 Uhr
  • Freitag, 10.07.2020, 19:30 Uhr

Online-Teilnahme:

Alle Veranstaltungen werden online auf Vimeo gestreamt (und sind dort später als Video zu finden). Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Der Link zum Vimeo-Kanal ist hier: Schöner leben ohne Verschwörungstheorien (hier wird es auch möglich sein, während der Sendung über das Chat-Fenster Fragen zu stellen).

Live-Teilnahme:

Die Teilnahme im Garten der KURVE Wustrow wird durch die Auflagen zum Infektionsschutz nur für eine begrenzte Anzahl von Personen möglich sein. Alle Teilnehmenden müssen sich am Einlass mit ihren Kontaktdaten in eine Anwesenheitsliste eintragen. Wer dabei sein möchte, komme bitte frühzeitig: wenn alle Plätze belegt sind, wird der Einlass geschlossen.

Infos zu den Veranstaltungen:

Freitag, 19. Juni 19:30 Uhr: Fake Facts – Wie Verschwörungstheorien unser Denken bestimmen
Katharina Nocun, Mitautorin des gleichnamigen Buches, beleuchtet die psychologischen Hintergründe von Verschwörungserzählungen, von Realitätsverlust und gefährlichem Radikalisierungspotential, sowie die Rolle der Neuen Medien darin. Sie gibt Anregungen, wie wir uns vor verdrehten Fakten und Meinungsmache schützen und Verschwörungsgläubigen begegnen können.

Mittwoch, 24. Juni 19:30 Uhr – Wie mächtig ist die Neue Rechte und was können wir tun?
Andreas Speit wird darüber berichten, inwieweit die Neue Rechte an den gegenwärtigen Diskurs anknüpft und ihn für sich nutzt. Er zeigt auf, wie und welche Allianzen entstehen und warum Verschwörungsmythen in Deutschland eine lange Geschichte haben.

Freitag, 10. Juli 19:30 Uhr – Wirksame Bündnisarbeit: Initiativen gegen Rechts stellen sich vor
In dieser Podiumsdiskussion wird es um Handlungsstrategien und erfolgreiche Bündnisarbeit gehen. Eingeladen sind Vertreter*innen verschiedener Initiativen gegen Rechts aus den benachbarten Regionen. Der Austausch über Beispiele erfolgreicher Organisierung und Aktionen soll Mut machen selbst aktiv zu werden, um eine solidarische Zukunft greifbar zu machen.

Mehr Infos zu verschiedenen regionalen Bündnissen siehe unter den Links.

Spenden:

Die Veranstaltungsreihe wird finanziell unterstützt durch das Niedersächsische Landesdemokratiezentrum mit Mitteln aus dem Programm „Demokratie leben!“.

Da hieraus nicht die gesamten Kosten gedeckt werden können, bitten wir um Spenden, denn sowohl die Arbeit des Bündnis gegen Rechts Wendland / Altmark als auch die Bewegungsarbeit der KURVE Wustrow leben davon.

Spenden sind über das Onlineformular möglich oder bei Teilnahme an der Liveveranstaltung über die Spendendose.

Warum und wozu laden wir ein?

Solidarität und Aufklärung statt Verschwörungsideologien

Jeden Samstag kommen Menschen zum Demonstrieren gegen die Corona-Beschränkungen zusammen. Erstmals finden die Demonstrationen am 28. März mit Aktivist*innen von “Nicht ohne uns” statt. Skandiert wird “Wir sind das Volk”. Viele bringen ein Grundgesetz mit und verweisen auf die Grundrechte. Inzwischen kommen regelmäßig Personen zu diesen Veranstaltungen, die unhaltbare Fake Facts oder unbewiesene Halbwahrheiten verbreiten, z.B. dass ein Impfzwang durchgesetzt würde, 5G lebensgefährlich sei, Bill Gates hinter Corona stecke oder die Behauptungen von QAnon. Längst sind die Proteste von organisierten Rechten gekapert, ohne dass sich die Protestierenden von ihnen distanzieren. Neben Mitgliedern verschiedener rechtsextremer Parteien wurden sog. Reichsbürger*innen und völkische Familien gesehen.

Sie inszenieren sich als Verfechter*innen von Grundrechten und Freiheit. Sie behaupten, das Grundgesetz sei in Deutschland außer Kraft gesetzt und fantasieren die Entstehung einer Diktatur herbei, gegen die ihr Widerstand rechtmäßig sei.

Was macht Verschwörungstheorien gefährlich?

Verschwörungstheorien schaffen ein Klima, das Selbstverantwortung, eigenständiges Denken und Solidarität schwer macht.

Sie geben einfache Erklärungen für schwer überschaubare komplexe Sachverhalte. Sie erkennen Muster und einen Plan, wo in der Realität Zufall, Inkonsistenz und Widersprüchliches zusammenkommen. Das Muster ist immer gleich: Es gäbe geheime Machtstrukturen, die die Dinge lenken und die einzelne Person zum unwissenden und ohnmächtigen Opfer machen. Denn diejenigen, die eine Verschwörungstheorie vertreten, stellen sich scheinbar mächtig den angeblichen Machtstrukturen entgegen und treten damit als Orientierung gebende Instanz auf.

Eigene fundierte Recherche, offene konträre Diskussion, Selbstverantwortung auf solidarischer Grundlage sind dadurch überflüssig und würden nur die einfache Lösung in Frage stellen.

Wer ist anfällig für Verschwörungstheorien?

Komplexe und widersprüchliche Aspekte eines Sachverhaltes nebeneinander aufzustellen und als solche stehen zu lassen sind mühevoll und anstrengend. Häufig werden Verunsicherungen und Ängste in uns angestoßen. Der Wunsch nach Kontrolle und Verantwortlichen entsteht, damit schlechte Gefühle und Überforderung kanalisiert werden können.

Viele Menschen haben in dieser Corona-Krise entweder große Angst, sich anzustecken, oder für die Ansteckung anderer – womöglich Angehörige einer Risikogruppe – verantwortlich zu werden. Behauptungen, das Covid-19-Virus sei keinesfalls so gefährlich, wie vom RKI und der Politik vertreten, bieten einfache Möglichkeiten diese Ängste zu reduzieren. Auch für die Befürchtung, im Kontaktverbot zu vereinsamen, bietet diese einfache Abwiegelung mit gleichzeitigem Ausmachen von Verantwortlichen eine schnelle Beruhigung: Ich brauche das alles nicht ernst nehmen.

Dass von Verschwörungstheoretikern gleichzeitig postuliert wird, Gegenrede und Kritik würden systematisch unterdrückt – aus heimlichen Machtinteressen von sogenannten Eliten und einem „Leitjournalismus“, öffnet dabei Tür und Tor für Verschwörungsmythen und das Ausmachen von Sündenböcken.

Schon seit Jahrhunderten werden Jüd*innen für angebliche Brunnenvergiftungen, Kindesmorde und mittelalterliche Seuchen verantwortlich gemacht. Machen die einen Corona-Leugner*innen heute Bill Gates oder Gorges Soros für die Pandemie verantwortlich, so relativieren andere den Holocaust, wenn sie sich mit gelbem Stern auf der Brust als angeblich verfolgte “Impfgegner*innen” inszenieren. Diese antisemitisch konnotierten Verschwörungsmythen bieten viele Anknüpfungspunkte für extrem Rechte.

Verschwörungsideologien sind gefährlich!

Verschwörungsmythen sind wie extrem rechte Ideologien gesellschaftlich verankert und kein Problem von vermeintlich „kranken“ Menschen oder politischen Rändern.

Historisch agierte der Nationalsozialismus mit genau solchen Mythen, um die Zustimmung in der Bevölkerung auszubauen. Nur eine gesellschaftliche Auseinandersetzung und Aufklärung kann diese stoppen. Was wir brauchen ist ein gemeinsames Einstehen für eine solidarische Verteilung von Krisenlasten und einem klaren Nein zu menschenver-achtenden, ausgrenzenden Ideologien.

Demonstrationen, auf denen Verschwörungsmythen und (extrem) rechte Ideologien und Personen Bestandteil des Protestes sind, verbreiten die gesellschaftliche Akzeptanz für Antisemitismus und Rassismus.

Außerdem werden damit Taten im Sinne dieser menschenverachtenden Welterklärungen gerechtfertigt. So waren Verschwörungswahn, rassistische und antisemitische Ideologie Antrieb und Ausgangspunkt der rechtsterroristischen Täter in Halle und Hanau.

Verschwörungsideologien sind keine legitimen politischen Erklärungsmuster, sondern höchst gefährlich. Wir rufen daher dazu auf, sich von diesen und anderen rechten Ideologien zu distanzieren und ihnen zu widersprechen.

Unsere Veranstaltungsreihe wird sich genau um diese Themen drehen. Wir freuen uns auf viele Zuhörer*innen.

Hausrecht:

Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die extrem rechten Parteien angehören, der extrem rechten Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige reaktionäre Äußerungen in Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen. Dies gilt auch für Personen, die die geltenden Hygiene- und Abstandsvorschriften nicht einhalten und/oder diesbezüglichen Aufforderungen der Veranstaltenden nicht folgen.

Für den Livestream bedeutet dies, dass der Chat moderiert wird und wir uns vorbehalten, Beiträge zu löschen, die Hassrede beinhalten oder menschenfeindlich sind.